MarkusOstfeld hat geschrieben:… jedoch wurden diese verboten,
Aha, also ähnlich wie in Peru.
Hi Markus,
einen Guanguanco habe vor vielen Jahren mal mit ein paar Leuten einstudiert und das war ´ne sehr intensive Erfahrung. Schwierig fand ich das Umsetzen eines triolischen Feels (aber ohne richtige Triolen). Gibt´s darüber irgendwas, das man als solches theoretisch lernen kann, oder geht das nur über´s stete "Sich-Aussetzen"?
Mit René Styber, einem Mitglied der legendären Gruppe
Bush Taxi, hatte ich mal einen kurzen Dialog über westafrikanische Musik- bzw. Rhythmusauffassung. Er meint:
"Ein und derselbe Rhythmus kann von Landstrich zu Landstrich und von Personalstil zu Personalstil sehr unterschiedlich interpretiert werden. Es ist gut, wenn man die Möglichkeit hat, sich mit unterschiedlichen Interpretationen zu befassen (Hörbeispiele) und dabei zu erfahren, welche Aspekte eines Rhythmus als interpretierbar und welche als unverrückbar angesehen werden."
Ich kann mir vorstellen, dass das auch auf die kubanische Rumba (die Sklaven waren ja zumeist Westafrikaner) zutrifft: es gibt sog. unverrückbare Aspekte und welche, die von jedem Trommler/Musiker in eigener Weise interpretiert werden.
"Ein afrikanischer Trommler fasst die Sequenz, die er spielt, als Form, als Gestalt, auf. So bereitet es ihm keinerlei Mühe, ein und die selbe Gestalt sowohl in ternärer als auch in binärer Grundpulsation wiederzugeben, was gängige Praxis ist. Der Zauber des Spiels liegt eindeutig im "Dazwischen", also weder stur "rechteckig" noch klar "triolisch", sondern ambivalent: beides und keines von beidem.
Wenn das so ist, läge meine Schwierigkeit vor allem wohl darin, dass ich eine rhythmische Figur in ihrer Struktur und in den Zeitbezügen der einzelnen Bestandteile zueinander aufnehme – also nicht als Gestalt. Gleichzeitig empfinde ich als Zuhörer von Musik immer auch, ob etwas "nur"
richtig gespielt wird oder auch noch
echt ist. Da ist also möglicherweise noch ein gewisses Sensorium für tiefere Bezüge vorhanden, ohne dass ich selber praktisch ran zu kommen vermag.
Und besonders spannend (und von uns in der Regel völlig außer Acht gelassen?) finde ich folgenden Aspekt:
"Da viele westafrikanische Sprachen auch Tonhöhensprachen sind, lassen sich für Muttersprachler aus rhythmischen Sequenzen auch sprachliche heraushören."
Ist sowas in kubanischer Musik (noch/auch) spürbar? Denn das bedeutete ja, es gäbe neben dem Rhythmischen auch noch die Qualität der klanglichen Differenzierung (wie René Styber es wahrscheinlich zu Recht behauptet), was eine gleichermaßen wichtige Komponente darstellt, weil eben z. B. Tonhöhen/Klangvarianten innerhalb eines musikalischen Kontextes auch Mitteilungscharakter haben.
In der Ewe-Kultur (Westafrika) haben rhythmische Patterns beispielsweise ganz grundsätzliche lebensbezogene Inhalte, die sich zueinander stellen lassen und auf diese Weise quasi Aussagen bilden, wobei das "Keeping" des Main-Beats gegenüber cross- und polyrhythmischer Verschlingungen die Fähigkeit eines Musikers/Menschen repräsentiert, den Wirrungen des Lebens (selbstbewusst) zu begegnen.
Naja, ich will´s jetzt nicht endlos ausweiten (und erwarte auf das alles auch nicht unbedingt ´ne Antwort ,-)).
Grüße
Oliver